Willkommen in Adlum
 
  Die Geschichte Adlums

Adlum – Dorf auf fruchtbarem Boden der Schwarzerde

 

Von der bereits 1440 erwähnten alten Lüneburger Heerstraße bei Borsum führt die heutige Kreisstraße über den „Hogesberg“ an Hüddessum vorbei hinab in die fruchtbare Bruchgrabenniederung nach dem östlichsten Dorf des Landkreises Hildesheim. Es ist Adlum, das sich hier in sehr günstiger Lage im Laufe der Jahrzehnte von der ursprünglich kleinsten einfachen Siedlung zu der jetzigen ausgeprägten Form eines stattlichen Haufendorfes ständig aufwärts entwickelt hat.

Ein äußerst ertragreicher Landstrich der ersten Bodenklasse gab dazu die notwendigen Voraussetzungen. Rings um den Ort breitet sich eine weit ausgedehnte Feldflur aus. Wellenartig erhebt sich nach Westen sanft ansteigend der flache Höhenrücken des Hogesberges, an dem Hüddessum liegt. Auch im Südwesten bildet eine Bodenwelle, die volkstümlich unter dem Namen „Dornberg“ bekannt ist, eine natürliche Grenze. Durch ein dichtes Dornengestrüpp war diese einstmals gekennzeichnet, woher noch der Flurname rührt. Daran schloß sich die Gemarkung des 1425 zum letzten Male urkundlich erwähnten Dorfes Eddessum.



Der „Kemmer Berg“ und die „Ahstedter Höhe“ treten weiter nach Süden und Osten deutlich im Landschaftsbilde hervor, während nördlich vom Dorfe der Lauf des Bruchgrabens im allgemeinen die natürliche Grenze darstellt. So können mit Recht auf Adlum die Dichterworte bezogen werden:

„Weit erstreckten sich des Hauses Felder, Kämpe, Ackerbreiten; Bergesfirst und rinnend Wasser schied´ die Mark seit Väter Zeiten!“



Mit den übrigen Dörfern der „um“- oder „en“-Gruppe, gehört Adlum zu den ältesten Siedlungen im früheren Gau „Astfala“, die in ihrem heutigen Bestande bis in die erste Zeit nach der Völkerwanderung zurückgehen. Die Bestimmungssilbe „Ad“ hängt wahrscheinlich mit der Lage des Dorfes zusammen. Man hat nämlich festgestellt, dass fast alle Orte, die mit „A“ beginnen, entweder direkt am Wasser oder in der Nähe desselben liegen. Demnach kann Adlum als „Heim am Wasser“ gedeutet werden. Vielleicht noch zutreffender ist es jedoch, die Ortsbezeichnung von dem Namen des Sippenältesten, der hier in der Frühzeit den Grund zur späteren Dorfanlage durch emsige Arbeit und ausdauernden Fleiß schuf, abzuleiten. Auf das „Heim eines Addo“ weisen die verschiedensten Formen des Dorfnamens hin, der häufig als Addenem, Addeln, Addenheim erscheint. Draus wurde dann in neuerer Zeit endgültig Adlum.

Diese Dörfer mit den Endungen „um“ oder „heim“ sind ausschließlich selbständige Bauernsiedlungen. Wie kaum bei einem anderen Dorf trifft das bei Adlum zu. Trotz allem Wandel der Zeitverhältnisse hat Adlum den rein bäuerlichen Charakter unverändert gewahrt. Die ziemliche Abgeschlossenheit seiner Lage hat dazu wesentlich beigetragen.

Infolge der nicht geringen Entfernung von der Stadt Hildesheim war es den Dorfbewohnern Adlums beim völligen Fehlen moderner Verkehrsmittel fast unmöglich, lohnende Beschäftigung in städtischen Betrieben zu suchen. Um des Lebens Notdurft zu sichern, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich mit aller Kraft und Hingebung der Arbeit auf der von den Vätern geerbten heiligen Heimatscholle zu widmen.

Da ein größeres Gut in Adlum nie bestanden hat, besaß seit altersher nahezu jede Familie einen entsprechenden Anteil an der gemeinsamen Feldflur. Die vielen kleineren bäuerlichen Betriebe zeugen noch heute davon. Wo immer eine Gelegenheit dazu besteht, sind diese eifrig bestrebt, noch genügendes Pachtland zu erwerben. In dieser Beziehung erweist sich die 1408 Morgen zählende Feldmark zu klein. So sind noch etliche Morgen von Adlumern in den Fluren von Hüddessum, Rautenberg, Soßmar, Oedelum, Bierbergen, Ahstedt und Kemme zugepachtet.





Zur fränkischen Zeit unter Karl dem Großen kam Adlum mit Machtsum, Hüddessum und Rautenberg zum Bann Borsum. Dem eigentlichen „Borsumer Kaspel“ jedoch hat es später nicht zugehört, da ein eigener Archidiakon dort bestellt wurde. Ihm unterstand auch das dortige Amt oder Meierding. Bischof Konrad II. (1221-1246) übertrug die Vogtei des Meierdings Adlum, zu deren Einkünften das Domkapitel namhafte Summen aufgewendet hatte, dem Präbenden-Vermögen des Kapitels. So erscheint Adlum im späteren Mittelalter unter den 14 Billikationen des Domstiftes. Zu jeder Meierei gehörte ein Haupthof nebst Salland und außerdem die Lathufen. Adlum hatte vier Höfe, wozu 18 Hufen gehörten, mit 2 1/3 Zehnten und 59 Lathufen. Bereits 1351 wird ein Amt zu Addenum erwähnt. Von einem Gericht an der Brücke bei Addenhem erfahren wir 1253.

Bischof Gerhard ließ durch seinen Vogt Hans von Schwiechelt im Jahre 1377 in Adlum 6 Guder Korn schatzen, wozu er kein Recht hatte. Grund- und Gerichtsherr über die domprobsteilichen Dörfer war nämlich der jeweilige Domprobst. Eine Hufe in Adlum ging am 28.09.1319 in seinen Besitz über gegen den Tausch einer Hufe in Oedelum, die an das Kloster Loccum kam. Die Ablösung dafür betrug später 36.000 Taler. Im Jahre 1361 heißt es:

„Allodium und Zehnte in Adlum gehören dem Domprobst“, daneben hatten dort auch andere geistliche Stifte, Klöster und angesehene Personen und Familien entsprechenden Grundbesitz.

Am 23.August 1151 wurden 3 Morgen als Eigentum des Moritzstiftes angegeben und 1286 Besitzungen des Kreuzstiftes ausgeführt. Begütert waren ferner in Adlum das Michaeliskloster, der Johannishof in Hildesheim, das Archidiakonat Borsum, der dortige Pastor der Rat zu Hildesheim, die adeligen Familien von Brabeck und von Dauber. Im Meierding am 05.Juli 1718 bekannte weiter Gottfried Henken aus Adlum, der Margaretenkirche auf dem Moritzberge von 3 ½ Morgen Ländereien den Pfandschilling von 143 Marien-Flors (Gulden) zu schulden.





Auch eine freie Familie von Adlum ist dort von 1144 bis ins 15. Jahrhundert nachweisbar. So kommt. U. a. 1386 ein Eckhard von Addenum und 1387 ein Lüdecke von Addenum vor. Dieses Ministerialgeschlecht hat leider kein Wappen hinterlassen. Die Gemeinde wählte darum 1931 ein Wappen, dass eng mit der Pfarrkirche zusammenhängt. Es ist das Wappen zweier Hildesheimer Domherren von Wenge, welche die Adlumer Kirche 1770-1775 erbaut haben. Der erste, Lewin Stephan mit Vornamen besaß als Domprobst landesherrliche Hoheitsrechte über die Domprobstei, zu der Adlum zählte. Der zweite, Friedrich Wilhelm, war Archidiakon zu Borsum und Adlum und hatte als solcher die Aufsicht über die dortigen Kirchen zu führen und ihre Pfarrer anzustellen. Beide Domherren starben um 1780. Bronzeplatten im Domkreuzgang zeigen ihre Ruhestätte an. Auf der Westseite des Adlumer Kirchturmes befindet sich in halber Höhe des Erdgeschosses eine Wappentafel der Freiherren von Wenige und Beck.

Danach hat die Gemeinde ihr Siegel gestaltet. Vom silbernen Grunde sticht wirkungsvoll der schwarz gehaltene Kirchturm ab. Ein breites, hohes Tor mit rundem Bogenabschluß bringt Gliederung in den viereckigen Bau. Das niedere Helmdach steht nur wenig über. Ein Kreuz thront krönend auf der Spitze.

Schon vor Erbauung der jetzigen, dem heiligen Georg geweihten, einschiffigen Bruchsteinkirche am Südrande des Dorfes auf dem etwas erhöhten Friedhofe, bestand dort eine Kirche. Erstmals wird in Adlum 1374 ein Geistlicher genannt. Daß hier während der religiösen Wirren im 16.Jahrhundert ein lutherischer Pastor war, erfahren wir zufällig 1560 bei der Nachricht von einem Totschlag, den dieser aus Rache an Ulrich Lubbern, einem seiner Pfarrkinder, verübte.




Er hieß Johann Robbecke, und war der Sohn des lutherischen Kirchherrn Robbecke zu Bierbergen. Beim Verhör des Landgeistlichen am 06.Februar 1609 war der Pastor von Adlum katholisch. Vorübergehend versahen dann die Jesuiten die Seelsorge. Die Visitation 1657 bestätigte Adlum als eine Pfarre der Domprobstei. Nach der Dekanatsordnung vom 08.März 1760 gehörte dieselbe zur dritten Station Borsum. Gemeinsam mit mehreren anderen Pfarrgemeinden im Stift Hildesheim widerstand auch Adlum 1787 der Einführung des neuen Gesangbuches von Deutgen.

1803 zählte die katholische Pfarrei 350 Seelen. Durch starke Schäden war die Kirche 1828 fast baufällig geworden. Zur Wiederinstandsetzung mussten die Bauern der Gemeinde 28 Fuder Steine von Himmelsthür anfahren. Deshalb brauchten sie keine Spanndienste für den Bau der Straße nach Peine zu leisten. Der Kirchhof wurde westlich der Kirche gründlich planiert und gepflastert, damit das Regenwasser nicht mehr an das Fundament der Kirche kommen konnte, wodurch das Erdreich gelockert und das Fundament gesunken war. Eine Reparatur erfuhr 1841 auch das Pfarrhaus.

Zur Aufstellung und Prüfung der Kirchenrechnung wurden früher der Pfennigschreiber des Amtes, der Großvogt, der Hausvogt und der Vogt herangezogen. Die beiden ersteren Beamten erhielten dafür je einen Reichsthaler, der Hausvogt 18 Mariengroschen, der Vogt 9 Mariengroschen. In jüngster Zeit erfolgten der Anbau einer Sakristei und die Erneuerung des Kircheninnern, wobei Mitglieder der Kolpingfamilie freiwillige Arbeitsleistungen übernahmen. Die Gemeinde trug die Kosten für notwendig gewordene Instandsetzungsarbeiten am Pfarrhause, wozu sie seit altersher verpflichtet ist.

Die besitzt einige ältere Kunstschätze. An der westlichen inneren Turmwand hängt ein großes Kruzifix. Im Sheitel des aus Eichenholz geschnitzten Korpus, der datiert ist um 1250, befindet sich eine durch einen Holzpfropfen verschlossene Reliquiengrube, die nach dem Denkmälerverzeichnis von 1896 vermutlich ein Pergamentblatt von der Hand des Reformators Busch enthält. Das Kruzifix soll aus dem Michaeliskloster stammen und durch Pastor Evers, ehemaligen Kanoniker daselbst, nach Adlum gekommen sein. Ähnlich verhält es sich mit liturgischem Gewändern und Altarparamenten, die Pastor Bernard Wilmo, 1808 bis 1815 in Adlum, vorher Kanoniker in Hamersleben, zweiter Pastor in Dornstadt, aus dem dortigen Kloster mit nach Adlum gebracht hat. Die ehemaligen Deckengemälde von I. G. Wink (1710-1781), das Abendmahl, die Kreuzigung und die Auferstehung darstellend, sind 1908 ihrer schlechten Erhaltung wegen entfernt worden.





Das Erbe der einstigen Grundherrschaften traten später bodenständige Bauernfamilien an. Über diese gibt das Verzeichnis vom 15.11.1758 eingehend Aufschluß. Danach hatte die Dorfschaft Adlum 45 bebaute und eine wüste Stelle mit einer Feldmark von etwa 31 Hufen. Der zehnte gehörte dem Dom kapitel. Als Ackermann werden darin aufgeführt Heinrich Lübbert mit 6 Pferden und 105 ½ Morgen Land, davon 82 Morgen Erbland und 23 ½ Morgen Pachtland; Franz Isensee mit 6 Pferden, 103 ¼ Morgen Land, davon 10 Morgen Erbland und 93 ¼ Morgen Pachtland. Nach diesen beiden Ackermännern kommen die 10 Halbspänner. Unter den folgenden Kötnerstellen gibt es heute manche Namen in Adlum nicht mehr.

Da nach Fürstbischöflicher Verordnung von 1765 zur Errichtung einer Brandschutzversicherung ein genaues Vereichnis der Hof- und Hausstellen erforderlich war, finden wir in der Land- und Wiesenbeschreibung der Domprobstei von 1769 die Höfe nach der Reihenfolge der Brand-Kataster-Nummern aufgezeichnet. Die Landbeschreibung beginnt mit dem wüsten domkapitularischen Ackerhofe. Die Erinnerung an diesen lebt noch heute fort in der Ortsbezeichnung: „Hinter oder bei dem Meierhofe“. Insgesamt werden 60 einzelne Stellen angeführt. Statt der früher genannten Ackerleute und Halbspäner kennt die Beschreibung nur Vollkötner, Kötner und Kleinkötner...








 

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